Text, Bild und Video: Janine Gloor

234 Tonnen wiegt der Bohrkopf für die Tunnelbohrmaschine am Eppenberg. Seine Montage erfordert äusserste Präzision.

Eigentum InfoCenter Eppenberg» steht auf einem Aufkleber auf dem Assugrin-Spender. Die Besucher, die an diesem Morgen im Infocenter Kaffee trinken, halten sich an die unausgeschriebene Aufforderung. Sie alle sind eingeladen worden, um einen Meilenstein im Bau des Eppenbergtunnels mitzuerleben: die Montage des Bohrkopfs.

Seit Mitte August treffen wöchentlich Teile der Tunnelbohrmaschine (TBM) auf der Baugrube Wöschnau ein, wo sie zusammengebaut werden. Lego für die Grossen. Nun hat auch der 234 Tonnen schwere Bohrkopf den Weg über den Rhein gefunden. Reglos hängt die gigantische Scheibe an einem Raupenkran.

Auf der Seite, die sich in das Gestein fressen wird, prangt auf dem fast 13 Metern breiten Schild das Logo der SBB. «So schön wird man den Bohrkopf nie mehr sehen», sagt Remo Pinazza von der Baufirma Marti. Jetzt sind auch die 70 Rollmeissel gut sichtbar. Sie werden das Innere des Eppenbergs gnadenlos bearbeiten, bis es in Kleinteile zerfällt. «Chips» nennt Pinazza die kleinen Gesteinsteile, welche die TBM vom Berg wegschabt. Wenn die Bedingungen ideal sind, wird die TBM pro Tag 20 Meter vorwärtskommen.


Video von Janine Gloor.

Zuerst muss sie aber noch zusammengebaut werden. Jede Tunnelbohrmaschine ist eine Spezialanfertigung, die genau auf die erhofften Bedingungen abgestimmt ist. «Der Fels im Eppenberg ist weich, dazu kommt wasserführender Schotter», erklärt Pinazza. Die Eppenberger TBM kann mit beidem umgehen.

Doch wie es im Tunnel tatsächlich aussieht, kann nie genau vorhergesagt werden. «Wir hoffen, dass die Geologie uns gut gesinnt ist.» Der Kran brummt, der Koloss wird langsam angehoben. Ein Mann in Orange hält ein Seil in der Hand, das am Bohrkopf befestigt ist. Fast wie jemand, der einen Ballon festhält. Nur dass über seinem Kopf 234 Tonnen Metall schweben. Mit kräftigem Zerren am Seil wird der Bohrkopf in die richtige Position gebracht und vom Kran sachte über den Graben gehievt.

Im Hintergrund fährt ein TGV in Richtung Osten. Es ist eine spezielle Baustelle, auf der täglich 550 Züge und 29 000 Autos durchbrausen. Trotz diesen erschwerten Bedingungen läuft alles nach Plan, noch musste kein Reservetag gebraucht werden. SBB-Oberbauleiter Benjamin Karli ist mit diesem Verlauf zufrieden. Allzu euphorisch gibt er sich jedoch nicht. «Ich freue mich auf den Vortrieb. Stolz bin ich dann Ende nächstes Jahr, wenn wir zum Berg hinauskommen», sagt der 33-jährige Bauingenieur.

Die 2400 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine soll bis Mitte Dezember zusammengebaut sein. Im neuen Jahr wird mit dem Vortrieb begonnen.

Publiziert im Oltner Tagblatt, 13.10.2016.

13. Oktober 2016

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