Die Egerkinger Gemeindepräsidentin ist im ganzen Land für ihre unkonventionellen Problemlösungen bekannt. Im Gespräch erklärt sie, weshalb sie noch lange nicht daran denkt, aufzuhören.

Johanna Bartholdi war schon immer eine Kämpferin. Lange bevor sie schweizweit bekannt wurde, weil sie säumige Steuerzahler anprangerte oder fremdländisch sprechende Kinder zum Deutschkurs verknurren wollte. Als junge Frau hat sie sich für die Gleichberechtigung eingesetzt. Mit ihrem dreiköpfigen Cabaret «Rasenmäher» hat sie im Jahr 1969 das Frauenstimmrecht auf die Bühne gebracht. «In einer Solonummer habe ich es absichtlich ins Lächerliche gezogen», erinnert sie sich. Doch sie meinte es ernst mit der Gleichberechtigung. Mit dreissig Jahren leistete sie Militärdienst bis zum Grad des Wachtmeisters.

Johanna Bartholdi ist Verwaltungsratspräsidentin der GAG Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu. In der Cafeteria des Alterszentrums Sunnepark in Egerkingen gibt sie sich ganz unkämpferisch und trinkt Latte Macchiato. Beim Kaffee ist die ehemalige Geschäftsführerin von CafetierSuisse wählerisch. «Die Bohnen müssen von guter Qualität sein.» Ihre «Jura»-Maschine füttert sie nur mit trommelgerösteten Bohnen.

Bartholdi scheut sich nicht, ihre Meinung kundzutun. Eine Eigenschaft, die auch schon ihre Jugendjahre geprägt hat? Die Egerkinger Gemeindepräsidentin und Kantonsrätin muss nachdenken. «Wahrscheinlich schon. Das kann man sich nicht antrainieren», sagt die FDP-Politikerin schliesslich. Noch vor ihrem sechzehnten Geburtstag wurde sie Vollwaise. «Ich musste früh lernen, Position zu beziehen.»

Mit Lernen gegen das Altern vorgehen

Heute ist sie 65 Jahre alt. Das Älterwerden mache ihr keine Sorgen. «Als Gemeindepräsidentin besuche ich regelmässig Jubilare ab achtzig Jahren. Diese sind unterschiedlich gut zwäg.» Da merke man schon, dass das Leben endlich sei. «Man hofft, dass man in Würde …» Sie beendet den Satz nicht. Schnell ist sie wieder zurück im Plaudermodus. «Trotz meines Alters fasziniert mich Neues schampar», sagt sie und lacht. «Wenn ich lernen kann, blühe ich auf.»

So zum Beispiel bei ihrem Jus-Studium, das sie 2015 mit dem Bachelor abgeschlossen hat. Das Fernstudium erforderte viel Disziplin: «Samstage, Sonntage und alle Ferien waren mit Lernen ausgefüllt.» Auf den Master verzichtet sie, praktizieren wolle sie nicht. «Ich kann das Erlernte bei meiner täglichen Arbeit gut gebrauchen und schaue viel in den Gesetzen nach. Ausser bei meinen Ideen», und lacht. Dann korrigiert sie: «Ich habe tatsächlich einige Ideen nicht umgesetzt, weil Gesetze dagegen sprechen.»

Neue Idee in den Startlöchern

Auch jetzt gerade studiere sie wieder an einer neuen Idee herum, doch verraten könne sie noch nichts. Die Weihnachtsferien werden für die Ausformulierung draufgehen. Die besten Ideen kommen Johanna Bartholdi beim Autofahren. «Stau ist für mich eine absolut kreative Zeit». Die Einfälle werden dann in schlaflosen Nächten weiterentwickelt. Doch seit sie nicht mehr in Zürich arbeite, könne sie nicht mehr so viele originelle Ideen liefern. Bei ihrer letzten wurde sie zurückgepfiffen, die Gemeinde darf keine WIR-Währung annehmen.

Ein Rückschlag für Bartholdi, die knobelt, bohrt und studiert, bis sie einen Weg gefunden hat. So wie beim Sudoku, ihrem Mittel zur Entspannung. «Ich habe eines angefangen, das als unlösbar gilt. Wenn ich nicht mehr weiterkomme, versuche ich, den letzten Fehler zu finden und von dort weiterzumachen.»

Gilt das auch für die Idee mit dem WIR-Geld? Bartholdi seufzt. «Ich hätte einfach erwartet …», dann besinnt sie sich – vielleicht auf ihre neu erworbenen juristischen Kenntnisse. «Ach, das darf ich jetzt nicht sagen.»

Text: Janine Gloor / Bild: Bruno Kissling
Publiziert im Oltner Tagblatt, 12.12.16.

13. Dezember 2016

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