Im Casino zählt die Uhr nicht, es ist immer Spielzeit. Floormanagerin Petra Hindriks hält die ganze Nacht ein wachsames Auge auf ihre Gäste und Mitarbeiter.

Gut gelaunt trifft sich die Gruppe um halb acht Uhr abends im Grand Casino in Baden. Alle sind hübsch zurechtgemacht, es fallen Witze, eine Frau bindet ihr gelbes Foulard zu einer Schleife. Doch die Männer und Frauen sind nicht hier, um zu spielen, sondern um zu arbeiten. Sie haben gerade ihre Nachtschicht angetreten.

Diese beginnt mit dem Briefing: Oben am Tisch sitzt Floormanagerin Petra Hindriks. Sie hat ein Blatt mit den verschiedenen Stationen, die ihre Mitarbeiter besetzen müssen, vor sich. Dazu gehören die Rezeptionen, die Kasse, die Garderobe sowie die Automatenhallen. Am Schluss steht überall ein Name, die Mitarbeiter schnappen sich je ein Telefon und entschwinden ins Casino.

Störung am Blackjacktisch

Das Casino ist an diesem Mittwochabend zwar nicht so gut besucht, wie es an einem Wochenende oder nach dem Zahltag wäre, doch auch so gibt es für Petra Hindriks viel zu tun. Die 32-Jährige ist Ansprechperson für ihr Team in allen Belangen. Auch während des Fototermins muss sie sich vom Stuhl erheben und einem Telefonanruf folgen. Am automatischen Blackjacktisch ist es zu einer Störung bei der Kartenmischmaschine gekommen, nur mit Hindriks’ Schlüsselkarte kann die Maschine zum Weiterarbeiten bewegt werden.

Der nächste Gang führt ins Büro, wo sie alle Vorkommnisse der Nacht am Computer festhält. Nach der Reizüberflutung in der Automatenhalle, in der Hunderte von Lichtern und elektronischen Melodien um Aufmerksamkeit der Spielenden buhlen, herrscht im Büro eine angenehme Stille. Hindriks hat mit der Geräuschkulisse im Casino kein Problem. «Ich höre das schon gar nicht mehr», meint sie. Wieder draussen, bahnt sie sich energischen Schrittes ihren Weg an den Automaten vorbei, rückt hier einen Stuhl zurecht und lächelt da einem Kunden zu. Ihre freundliche Art wirkt nicht aufgesetzt und hält auch an, wenn sich die Bürotür wieder schliesst.

Nach elf Uhr abends scheint der Zeitpunkt für eine erste Pause günstig. Hindriks verspeist einen Apfel und eine Banane. «Ich esse jeweils zu Hause etwas Richtiges», erklärt sie. Sie ist ein Nachtmensch, in der Nacht zu arbeiten, macht ihr nichts aus. Ganz anders ist es, wenn der Wecker für die Frühschicht klingelt.

Hindriks schätzt es, dass sie nach einer durchgearbeiteten Nacht den Nachmittag frei hat und auf dem Arbeitsweg nicht im Stau stehen muss. Doch sie räumt ein, dass die Schichtarbeit eine Beeinträchtigung für die Beziehung darstellen kann. «Man muss sich als Paar sehr gut organisieren, sonst lebt man aneinander vorbei». Hindriks hat Glück, ihr Mann arbeitet von zu Hause aus. Wenn sie nach einer Nachtschicht aufwacht, essen sie gemeinsam. Er sein Mittagessen, sie ihr Frühstück.

Unermüdlich auf hohen Absätzen unterwegs

Abgesehen von kurzen Unterbrechungen im Büro, ist Petra Hindriks den ganzen Abend auf den Beinen. Unermüdlich durchquert sie in ihren Absatzschuhen – «die sind sehr bequem» – das Casino und sieht nach dem Rechten. Nach Mitternacht nimmt die Zahl der Besucher sichtlich ab, doch immer noch drücken sie an den Automaten auf die bunten Knöpfe oder sammeln sich am Roulettetisch. An der Kasse wechseln weiterhin grosse Noten den Besitzer.

Auch Hindriks versucht ab und zu ihr Glück, doch als Casinomitarbeiterin bleibt ihr das in der Schweiz verwehrt. Mit einer Gruppe Freunden aus dem Casino reist sie für das Spielvergnügen jeweils ins Ausland. «Wir haben eine sehr gute Stimmung unter den Mitarbeitern», sagt Hindriks. Die Schichtarbeit im Casino schweisst zusammen. Kurz vor drei Uhr wird Petra Hindriks zu einem Spielautomaten gerufen. Sie kümmert sich um den Automaten, der Gast erzählt vom Spiel. Er hat verloren. «Aber es hat Spass gemacht», versichert er.

Petra Hindriks’ Mitarbeiter werden nach der Schliessung des Casinos um vier Uhr in der Früh in den Feierabend entlassen. Sie selber geht als Letzte, wenn die Kasse stimmt und das Geld sicher im Tresor liegt. Während der Heimfahrt freut sie sich auf ihr Bett.

Text: Janine Gloor / Bild: Mario Heller
Publiziert im Badener Tagblatt, 21.11.2015.

 

16. August 2016

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